Tagebuch

 

tip10 (Mai 2010)
"Die Wunde ist nun eine offene Narbe"
Tip: Herr Nachama, nach 17 Jahren ist das Dokumentationszentrum der Topographie des Terrors endlich gebaut. Mit welchem Gefühl gehen sie der Eröffnung entgegen?
Andreas Nachama: Mit Erleichterung. Wenn man über eine so lange Zeit hinweg an einem Projekt arbeitet, dann will man es auch irgendwann fertig haben. mehr

 

Die Kirche Nr. 18: 2. Mai 2010
Die Relevanz jüdischer und christliche Gerechtigkeitsperspektiven. Rabbiner Andreas Nachama erläutert eingangs die Wächterfunktion der Juden für den Sozialstaat. Einerseits erinnert er daran, dass und wie sehr die Massenarmut in der Weimarer Republik zum Antisemitismus geführt habe, andererseits verweist er auf die Zedaka, das jüdische Wohltätigkeitsgebot. Wer soziale Kälte verbreite, so führt Nachama aus, gilt im Talmud als Häretiker. mehr

 

Focus 29. März 2010 - 13/2010
Wir sind kein deutsches Holocaust-Museum" betont Andreas Nachama, "in unserem Zentrumgeht es primär um Täter, die von hier aus den Mord an den europäischen Juden und auch den Terror gegen die Gegner des Regimes koordiniert haben." mehr

 

The Vancouver Sun, 02 März 2010
New museum takes shape at heart of Nazi terror
Five years after opening a sprawling Holocaust Memorial in the heart of the city, Berlin is preparing to inaugurate a major new museum, this time targeting Nazi perpetrators.
The new Topography of Terror centre rests on the site of the former headquarters of both the feared Gestapo and Hitler's elite SS force. It replaces a provisional facility that already draws 500,000 visitors each year -- one of the top tourist draws in a city steeped in bitter history. While little remains of the original buildings, the new complex aims to explain how the Nazi persecution apparatus worked with ruthless efficiency.
"We are not here in Pompeii -- this is not about seeing the original architecture," said museum director Andreas Nachama. "Rather, it is about comprehending what went out from this place: namely the Nazi terror that spread across Germany and Europe and cost the lives of millions of people."
The $34-million museum is nearing completion ahead of its official opening on May 6, two days before the 65th anniversary of the end of the Second World War. It will be free to the public. Its two steel-and-glass storeys will include a permanent exhibition, a library and a multimedia conference centre for school groups, scholars and public talks. Information boards, photographs, documents, recordings of interviews with survivors and computer animations will illustrate how Germany went from a flawed democracy to a fascist dictatorship with a state terror apparatus in just a few years.
The 58-year-old Nachama, who is also a rabbi, historian and a former leader of the Berlin Jewish community, first came upon the disused site in the 1970s while curating an exhibition at a museum next door. His mother Lilli, a Holocaust survivor, was shocked about his new workplace: "That is the most horrible address in Berlin," he recounted. Prisoners routinely suffered brutal mistreatment during interrogations here and several were driven to suicide.

 

junge welt 17. März 2010
Unendliche Geschichte
Auf dem früheren Gelände der Gestapozentrale in Berlin ist das neue Dokumentationszentrum der Stiftung »Topographie des Terrors« entstanden. Am 6. Mai Eröffnung
Hans Daniel
Die Berliner Stiftung »Topographie des Terrors« hat seit dem 1.März eine neue Adresse: Niederkirchnerstraße 8 statt Stresemannstr. 111 – auf den ersten Blick eine rein technische Veränderung der Anschrift. Auf den zweiten Blick entbehrt die mit dem Umzug der Stiftung verbundene veränderte Anschrift nicht einer gewissen Symbolik: Seit 1951 trägt diese Straße, die vordem Prinz-Albrecht-Straße hieß, den Namen der kommunistischen Widerstandskämpferin Käte Niederkirchner. Am 27. September 1944 wurde sie im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück ermordet. Die Verantwortlichen dafür hatten hier bis 1945 ihren Sitz.

Dauerausstellung
Der Geschäftsführende Direktor der Stiftung, Prof. Dr. Andreas Nachama, wirkt mit seinen Mitarbeitern bereits im Untergeschoß des Neubaus für das Dokumentationszentrum, der sich in diesen Tagen dem Besucher noch ein wenig unfertig darbietet. Handwerker aller Gewerke sind innen und außen dabei, letzte Hand anzulegen. Am 6. Mai, am Vorabend des 65. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus, soll, so sieht es der Plan vor, der Neubau feierlich eröffnet werden.

[…] Andreas Nachama ist seit langem mit diesem 4,5 Hektar großen Gelände zwischen der Wilhelm- und der Niederkirchnerstraße und dessen ganz besonderen Geschichte verbunden. Er war leitend beteiligt an der Entstehung der Dauerausstellung. Seit 1987 ist der 59 jährige Vater von zwei Kindern, der Geschichte und Judaistik studiert hat und von 1997 bis 2001 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war, Geschäftsführender Direktor der Stiftung.

Mehrere Anläufe
In diesen Märztagen, da man das weiträumige Gelände besser noch mit Gummistiefeln betritt, erinnert er in seinem neuen Arbeitszimmer an die zurückliegenden bewegten Jahre. An die Sprengung der Überreste der Schaltzentralen des faschistischen Terrors auf dem Prinz-Albrecht-Areal nach 1945. An die Absicht ehemals in Westberlin Regierender, das Gelände (und damit auch dessen unheilvolle Geschichte) unsichtbar zu machen. Die Natur holte sich das Gelände zurück, das Nachama als quälende, offene Wunde, als nicht aus dem Gedächtnis auszulöschenden Ort der Täter, an deren Opfer und Gegner sieht. […]

MoPo16. März 2010
Topographie des Terrors soll transparent sein
Sabine Gundlach
Nach jahrzehntelangen Debatten, mehreren Wettbewerben sowie einem Baustart und einem -stopp wird am 6. Mai die Topographie des Terrors in Berlin eröffnet. 24,8 Millionen Euro hat der Neubau gekostet. Morgenpost Online begleitete den Direktor der Stiftung, Andreas Nachama, auf einem Rundgang durch das NS-Dokumentationszentrum.
Andreas Nachama ist zufrieden, die Zeit des Provisoriums ist vorbei. Nach jahrzehntelangen Debatten, drei Wettbewerben, einem Baustart und -stopp, wird jetzt im dritten Anlauf endlich das neue Dokumentationszentrum der Topographie des Terrors am 6. Mai eröffnet. „Dieser Bau ist in seiner zulässigen Ästhetik genau das geworden, was die Stiftung wollte – ein Dokumentationszentrum, das das Gelände nicht überformt und den Ort in den Mittelpunkt stellt“, sagt Nachama.

Der Direktor der Stiftung der Topographie des Terrors sitzt in seinem lichten, aber karg möblierten Büro im Untergeschoss des Neubaus an der Niederkirchner Straße. Anfang März haben Nachama und die 17 Mitglieder seines Teams die Räumlichkeiten des neuen NS-Dokumentationszentrums bezogen, in dem derzeit die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung laufen.

20 Computer müssen noch in der Bibliothek installiert, das Podium im Veranstaltungssaal aufgebaut und die Rahmen in der 800 Quadratmeter großen und hellen Ausstellungshalle mit 600 Fotos und Dokumenten bestückt werden. Knapp 30.000 Bücher und Medien werden erst Mitte April in der Bibliothek im Untergeschoss eingeräumt. Der Bestand im bisherigen Domizil an der Stresemannstraße 111 soll noch so lange wie möglich genutzt werden können.

„Das Wichtigste ist die Transparenz, man sieht hier an fast jeder Stelle, wo man ist“, sagt Andreas Nachama beim Rundgang durch den nüchternen Neubau aus grauem Sichtbeton und Glas. Der 58-Jährige zeigt auf die großen Fensterflächen, die von fast allen Standpunkten im Inneren des Hauses Ausblicke auf das 4,5 Hektar große Areal ermöglichen.

Das wichtigste Exponat ist der Ort der Täter
Der „Ort der Täter“, das Gelände der einstigen Zentralen des nationalsozialistischen Terrorregimes, ist denn auch nach wie vor „das wichtigste Exponat, das wir haben“, so Nachama.

Dass das neue Dokumentationszentrum im Bemühen um einen zurückhaltenden Auftritt dennoch eine eigene Ästhetik habe, betrachtet Andreas Nachama ganz nüchtern „als Preis für das Ende des Provisoriums“.

Als „schwebenden und transparenten Pavillon“ bezeichnet Nachama den Bau der Architektin Ursula Wilms vom Berliner Büro Heinle, Wischer und Partner. Doch das quadratische Dokumentationszentrum wirkt von außen längst nicht so transparent wie von innen. Im Gegenteil, die grau-silberne Außenhaut aus Metalllamellen betont äußerlich eher das Zweckmäßige des Flachbaus. Die Lamellen sollen verhindern, dass sich der gläserne Pavillon im Sommer aufheizt.
Innen aber präsentiert sich das Gebäude durchaus offen und großzügig. Mit bislang jährlich bis zu 500.000 Besuchern ist diese Großzügigkeit auch erforderlich. […]

 

Katholische Presseagentur Österreich 14.01.2010
Dresden: Friedensgebet und Menschenkette gegen Neonazi-Demo
Mit Friedensgebeten und einer Menschenkette wollen am 13. Februar in Dresden viele Prominente zusammen mit Bürgern der Stadt gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten protestieren. Die 1,5 Kilometer lange Kette um die historische Altstadt solle ein "positives Zeichen für Versöhnung und Toleranz" sein, kündigte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz an. In der Elbestadt werden am 13. Februar rund 6.500 Neonazis erwartet. Wie in den vergangenen Jahren nehmen sie den Jahrestag der Bombardierung Dresdens 1945 zum Anlass für den Aufmarsch.

Einen "Aufruf zum Friedensgebet für alle Menschen guten Willens" haben zahlreiche Prominente unterschrieben. Unter ihnen sind Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, Dagmar Reim, der ehemalige Sprecher der Bundesregierung und jetzige Vorstandsvorsitzende des Vereins "Gesicht zeigen", Uwe-Karsten Heye, sowie der Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", Andreas Nachama. [...]

 

 

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